Zu Besuch in der
Restaurierwerkstätte.

Zu Besuch in der
Restaurier-werkstätte.

Die Figuren der Krippe im Dom werden in der Restaurierwerkstatt Prenner & Scheel behutsam und sachgerecht in mühevoller Arbeit restauriert.  Die Holzrestauratorin Petra Gröger und ihr Team kümmern sich um die Landschaft-saufbauten. In den vergangenen Monaten haben wir den Restauratorinnen regelmäßig über die Schultern geschaut. Ein kleiner Bericht  von gebrochenen Flügeln und davon, was die Arbeit an dieser Krippe so einzigartig macht.

Frühling 2020

Die Restauratorinnen Ilse Prenner und Elisabeth Scheel analysieren im Zuge ihrer Befundung den Ist-Zustand der über 60 Figuren der Krippe im Dom. Das Team rund Petra Gröger begutachtet die Landschaften und Korkaufbauten. Sämtliche Schäden werden von den Expertinnen, die allesamt die Akademie der Bildenden Künste Wien absolvierten, fotografiert und dokumentiert und in einem Ergebnisbericht festgehalten.

Sommer 2020

Die Figuren der Krippe im Dom treten ihre Reise zur Restaurierung nach Wien an. Dies stellt eine große logistische Herausforderung dar. Ein auf Kunsttransporte spezialisiertes Unternehmen – HS Art Service – das mit Museen, Galerien und Kunstsammlungen weltweit zusammenarbeitet, führt diese hochsensible Aufgabe durch. Behutsam wird Figur für Figur gut gepolstert verpackt und transportiert.

Herbst 2020

Wir werfen einen Blick in die Restaurierwerkstätte: Hier wird gerade der Engel mit der Dornenkrone behutsam und sorgfältig gereinigt. Die starken Verschmutzungen werden mit Hilfe eines wässrigen, zarten Lösungsmittels und eines Gels gereinigt. Das Gel basiert auf Agar Agar, einem pflanzlichen Geliermittel, das aus der Küche bekannt ist. Trägt man dieses Mittel auf, trocknet es, bildet eine Hautschicht und kann dann zusammen mit der Verschmutzung abgezogen werden. Nach der Reinigung wird stets zuerst konserviert, das bedeutet: die vorhandene Substand wird erhalten. Erst danach wird ergänzt und restauriert.

Es gilt, Malschichten und die Vergoldung zu festigen, dann werden fehlende Stellen mittels Kreidegrund (eine Masse aus Kreide und tierischem Lehm) gekittet. Die Flügelspitzen des Engels sind abgebrochen, sie werden nun neu verleimt. Nach einer Grundierung folgt die farbliche Fassung: in mehreren Lasuren werden Aquarellfarben aufgetragen und (wenn das auch im Original so ist) zum Schluss noch mit einer Lasur mit Öl gearbeitet. Die Figuren der Krippe im Dom, sind – wo immer vergoldet – mit echtem Gold geschmückt. Gegenüber anderen Methoden hat dies den Vorteil, dass dieses Gold nicht nachdunkelt.

Viel Geduld, Liebe zum Detail, Genauigkeit und eine große Portion Erfahrung ist hier vonnöten: Die Restaurierung an diesem Engel nahm rund 40 Arbeitsstunden, zum Teil zu zweit, in Anspruch.

Winter 2020

Immer spannender gestaltet sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit – besonders auch jene mit dem Ars Electronica Futurelab, das sich dem Thema auf ganz andere Art und Weise nähert. Die ersten Figuren werden zurückgebracht, um nun in der Krypta des Mariendoms in neuem Glanz zu erstrahlen. Es herrscht mitunter ein reges Treiben im Untergeschoß: Holz- und Metallrestauratorinnen sind hier ebenso anzufinden wie Fotograf, Kameramann und Beleuchter. 30 Figuren sind bis Weihnachten 2020 fertiggestellt. Sie dürfen nun wieder ihren Platz in der Krypta einnehmen und wollen auch optimal ausgeleuchtet werden.

2021 wird auch der verbleibende Teil der Krippe vollständig restauriert werden. Dann sind auch die Heiligen Drei Könige samt ihrem prächtigen Tross von Kamelen, Elefant und Pferd mit Gefolge und die große, beeindruckende Engelsgloriole wieder vor Ort zu bestaunen. Weihnachten 2020 ist in vielerlei Hinsicht also ein ganz besonderes Weihnachten.